* Viele sagen "Nähen mit Beamer". Korrekter ist aber schon „Zuschnitt mit Beamer“ heißt – genäht wird dann doch mit der Maschine.
Wie funktioniert Zuschneiden mit Beamer?

Beim Zuschneiden mit Beamer wird der Schnitt direkt auf den Stoff projiziert. Der Stoff liegt auf einer ebenen Fläche (Tisch, Boden), der Beamer hängt an der Decke oder steht einfach auf einem Stativ schräg über dem Stoff.
Wofür brauche ich einen Beamer?
- Du gehst von: Schnittmuster Kaufen, Drucken, Kleben bzw. Abpausen, dann Ausschneiden und auf den Stoff Übertragen – hin zu: Schnittmuster Kaufen, auf den Stoff Projiziere und direkt mit dem Rollschneider Zuschneiden.
- Das ist besonders praktisch bei Schnitten mit gefühlt 10 000 Teilen (hast du schon mal eine Jacke mit Wiener Nähten, Taschen und zweigeteilten Ärmeln genäht …) und wenn man kleine Zwerge benäht, die gefühlt jede Woche eine neue Größe brauchen.
- Dazu spart es Unmengen an Platz, da Schnitte nicht auf Papier oder Folie rumfliegen, sondern digital (hoffentlich schön sortiert) abgelegt sind – am schönsten referenziert mit der Nähzentrale 🙂
Was brauche ich dafür?
- Was du vor allem nicht brauchst: einen festen Ort zum Zuschneiden! Es geht mittlerweile auch sehr mobil.
- Einen Beamer: Möglichst leicht und klein – er soll nämlich von oben nach unten (und nicht geradeaus) beamen. Diese Position ist für manche Beamer etwas „unnatürlich“, deshalb ist leichter eher besser. Im Idealfall hat er ein Gewinde, um ihn an der Decke oder einem Stativ zu befestigen. Mehr braucht er nicht. WLAN wäre hübsch, genauso etwas mehr als 150 ANSI-Lumen (sonst muss man doch im sehr Dunklen zuschneiden) und eine Fernbedienung. Die ist aber in der Regel Standard.
- Um den Schnitt auf den Stoff zu bekommen: Entweder Schneiderkreide. Dann zeichnest du die projizierten Linien nach und schneidest dann mit der Schere aus – mache ich bei teureren Stoffen gerne. Oder die schnelle Lösung: Schneidematte (möglichst groß – A0 oder A1 bringt Spaß, geht aber auch kleiner) und Rollschneider (einen scharfen! Ersatzklingen sind große Helfer).
- Nähgewichte: Sie halten den Stoff schön glatt beim Zuschneiden bzw. Nachzeichnen. Ich habe einfach welche aus Bastelbeton geformt und zusammen mit meinem Sohn noch kreativ angemalt.

Besonders bei weichen Stoffen helfen Nähgewichte, da ja kein Papierschnitt auf den Stoff gesteckt wird. Alternativ kannst du den Stoff auch mit Washitape auf der Unterlage fixieren.

Mit Schneidematte und scharfem Rollschneider geht Zuschneiden mit Beamer besonders schnell – bei wertvollen Stoffen kannst du die Linien vorher mit Kreide nachzeichnen.
Position des Beamers

Grundsätzlich gilt: Je weiter der Beamer von deiner Unterlage entfernt ist, desto größere Schnitte bekommst du in einen Bildausschnitt.
Ich schneide gerne im Stehen zu, deshalb liegt meine Schneidematte auf einem Tisch (ca. 90cm Höhe) und der Beamer hängt an unserer 2,35m hohen Decke. Der Abstand ist also recht klein, ich habe eine Schneidefläche von 95cm auf 55cm. Das genügt mir vollkommen - lediglich bei Hosen für mich muss ich den Schnitt manchmal schieben.
Wenn du häufig für Erwachsene nähst, lohnt es sich den Abstand etwas größer zu wählen wenn möglich. Für Kindergrößen genügt der Abstand vollkommen. Bedenke auch: Du musst ja überall rankommen. Wenn du eine riesige Fläche auf dem Tisch hast - erreichst du alle Ecken ohne dich zu verrenken? Ansonsten lieber kleiner und Schnitt verschieben.
Mein Tipp hier: Fange an, wie es dir möglich ist. Wenn der Beamer erstmal nur auf einem Schränkchen neben einer Schneidematte auf dem Boden steht - hautpsache es tut und du kannst loslegen. Dinge an die Decke schrauben kannst du auch später noch.
Und los geht's
Schau am besten auf Patternprojector.com . Die Seite ist quasi das Zauberpulver fürs Zuschneiden mit Beamer:
Dort kannst du deinen Beamer kalibrieren – deshalb muss der nämlich nicht perfekt an der Decke hängen. Die Seite gleicht alle Verzerrungen aus. Das heißt, du korrigierst das projizierte Bild so, bis es ein korrektes Raster bildet. Das ist sehr selbsterklärend.

Und dann lädst du deinen Schnitt dort hoch.
Bevor du alles andere machst: Kontrollquadrate prüfen! Ist das Quadrat, das es im Schnitt meistens irgendwo gibt, auch auf der projizierten Fläche so groß wie gewünscht? Das klappt mit Patternprojector in 99 % der Fälle – aber sicher ist sicher!
- Hast du einen A4-Schnitt mit einzelnen Seiten, kannst du ihn dort auch direkt zusammenfügen.
- Hast du mehrere Ebenen, kannst du die dort auswählen, wie gewünscht.
- Du kannst Linien verstärken, eigene einzeichnen usw.
- Du kannst spiegeln (ja, der große Vorteil zum Acrobat Reader) und drehen, wie du möchtest. Patternprojector zeigt dir sogar an, ob du grade gespiegelt oder „normal“ unterwegs bist – so klappt das dann auch zuverlässig mit den gegengleichen Hosenbeinen.
Und dann kannst du schon loslegen!
Schneidest du schon mit Beamer zu? Hast du Fragen? Lass es mich gerne wissen!
Bis bald und viel Freude beim Nähen,
Henriette
PS: Zu dem Thema gibt es natürlich viele weitere Fragestellungen. Digitale Schnittanpassungen zum Beispiel – denn das ist natürlich direkt am PC anders als wenn man den Schnitt auf Papier vor sich liegen hat. Ebenso ist die korrekte Ermittlung von Stoffbedarf und Musterpositionierung vielleicht ein Thema. Bleib dran – und trage dich gern für den Newsletter ein ,um alle Updates zu erhalten.
PPS: Der Schnitt, den du in den Bildern siehst, ist der Topponcino-Schnitt. Eine Babymatratze nach der Montessori-Pädagogik. Den bekommst du hier .